Schüler des Berufsbildungszentrums berichten von Praktika in England, Estland und Österreich

23.02.2016

Sie haben schöne,aber auch überraschende und erschreckende Erfahrungen gemacht. Zehn angehende Erzieher vom Berufsbildungszentrum (BBZ) Plön in Preetz sowie zwei Schüler aus Lensahn haben ein mehrwöchiges Auslandspraktikum absolviert.

GES

Ihre Erlebnisse stellten sie jetzt in einer Informationsveranstaltung vor. Zwei Jahre lang läuft das von der EU mit gut 100 000 Euro finanzierte Erasmus+-Projekt zum Thema Kinderschutz in der Kinder- und Jugendarbeit im europäischen Vergleich, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Osterloh-Rittiens. Von Mitte 2015 bis 2017 können Auszubildende im Erzieherbereich in ein neun- bis zehnwöchiges Langzeitpraktikum in Estland, England und Österreich geschickt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass sich auch sechs Lehrkräfte pro Jahr in den Ländern vor Ort über Kinderschutz in Kindertagesstätten oder Jugendeinrichtungen informieren. Mit den Fördermitteln seien die Reise- und Unterbringungskosten gedeckt, erzählt Lehrerin Carla Schrade. Jan Schröder arbeitete an einer Grundschule in England mit 300 bis 350 Schülern als Assistenzlehrer in der vierten Jahrgangsstufe und durfte auch mal allein unterrichten. „Die Lehrer waren sehr aufmerksam und freundlich“, erklärt er. Er fühlte sich gut aufgenommen und unterstützt. Christin Weiß ergänzt, dass die Schule immer abgeschlossen war. „Man kam nur rein, wenn man sich im Sekretariat angemeldet hat.“ Frederike Olin berichtet, dass sehr viel Wert auf „personal space“ gelegt werde. Zwischen den Schülern untereinander, aber auch zwischen Schülern und Lehrern herrsche eine bestimmte Distanz. „Körperliche Nähe wird nicht zugelassen“, wirft Lehrerin Friederike Franke ein, die längere Zeit in England gelebt hatte. „Sie achten darauf, dass es zu keiner körperlichen Berührung kommt“, hat auch Vivien Kretschmann festgestellt. „Man darf ein Kind nicht auf den Schoß nehmen, wenn es weint“, erzählt Christin Weiß. Sie habe einmal erlebt, wie ein Kind sich für den Sportunterricht umziehen sollte und stattdessen weinte. „Come down, stop crying“, habe die Lehrerin gefordert. „Das fand ich sehr schockierend.“ Jana Philippczyk arbeitete in einer Kita in Wien für ein- bis sechsjährige Mädchen und Jungen. Der Ansatz sei ähnlich wie in Deutschland. Es gebe auch ein Jugendamt. Und zusätzlich ein Krisenzentrum: „Da kann das Kind bei Problemen hin.“ Dort werde dann auch beraten, ob das Kind in die Familie zurück kann. Wenn es Auffälligkeiten gebe, könne man sich an eine Fachkraft wenden. Einen sehr strukturierten Tagesablauf in dem modernen Kindergarten in Estland hat Eva Polley registriert. Die Arbeit mit den Kindern sei ähnlich wie in Deutschland. Aufgefallen ist ihr, dass die Türen abgeschlossen und videoüberwacht sind. „Bei Verdacht auf Kindesmissbrauch wird gleich die Polizei informiert“, erzählt sie. Und wenn Eltern alkoholisiert sind, wenn sie ihre Kinder abholen, werden die Kleinen nicht an sie übergeben. „Es waren sehr schöne Erfahrungen“, fasst sie ihr Praktikum zusammen. Das BBZ will auch im kommenden Jahr wieder einen Antrag für ein Projekt stellen – aber zu einem anderen Schwerpunkt. „Es geht vielleicht in Richtung Flüchtlingsproblematik“, so Carla Schrade. „Für die jungen Leute ist das Praktikum im Ausland ein Sprung in der Persönlichkeitsentwicklung“, hat sie festgestellt.

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