Wanderausstellung

14.05.2014

Wanderausstellung beschäftigt sich mit den vielen Gesichtern von Gewalt und Missbrauch

Wanderausstellung beschäftigt sich mit den vielen Gesichtern von Gewalt und Missbrauch

Wanderausstellung

„Wo hört der Spaß auf?“, fragten sich (von links) Sophia, Merle und Dennis. Die Szenen auf dem Bild von einem ganz normalen Pausenhof stießen bei den Schülern intensive Diskussionen an.

Echt krass heißt die Wanderausstellung, die zur Zeit im Berufsbildungszentrum des Kreises Plön in der Kieler Straße gastiert. „Krass“ finden auch die Jugendlichen an der Schule die Themen an und in den fünf Stelen der Ausstellung. Wo ist ein Scherz noch Spaß, und wo ist die Grenze zur Beleidigung und zur sexuellen Gewalt überschritten? „Ey, du Schwuchtel! Pass auf, du Schlampe!“ Der Wortgebrauch auf dem Schulhof ist oft nicht lustig – und trotzdem finden Jugendliche wenige Möglichkeiten, sich zu wehren. „Natürlich haben wir hier an der Schule auch schon Fälle von Mobbing und Gewalt gehabt, und wir sind froh, wenn die Schüler kommen und sich Hilfe holen“, erklärt Schulleiter Jörn Wiczorek. Wer seine Qual öffentlich macht, darüber redet und sich Hilfe holt, hat den ersten Schritt schon geschafft, weiß auch Sozialpädagogin Cornelia Haacke. Damit die Schüler ins Gespräch kommen, hat sie die Ausstellung von „Petze“, dem Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt, an die Schule geholt. Die Lehrer haben im Vorwege eine Schulung und Unterrichtsmaterial bekommen und ihre Klassen auf die Exponate und Themen vorbereitet. Kein Wunder also, dass Merle (20), Sophia (18) und Dennis (20) nach 90 Minuten in und an den Thementürmen eine Menge zu berichten haben. „Es gab viel zu sehen und zu hören, und am Ende haben wir festgestellt, dass jeder eine andere Grenze hat, wenn es um Beleidigungen geht“, berichtet Merle. Die Schüler erzählen von kompromittierenden Bildern in sozialen Netzwerken. „Ich habe vor ein paar Tagen ein Video geschickt bekommen, in dem zu sehen ist, wie ein Mädchen verprügelt wird und alle herumstehen, zugucken und lachen“, erinnert sich Sophia. Die Mädchen haben das Video bei Facebook gemeldet. Inzwischen ist es gelöscht, aber Gewalt hat eben viele Gesichter. „Die Themen hier kannten wir eigentlich schon. Es war aber beklemmend, sich damit richtig zu beschäftigen“, weiß auch Dennis. Er hat sich in die Stele mit dem lauten Herzklopfen getraut. In einer anderen Stele ragen Hände aus den Wänden. „Da wird man überall angetatscht. Das war super unangenehm“, urteilt Merle. Die Ausstellung für Schüler ab 14 Jahren sensibilisiert, rüttelt auf und bietet genug Gesprächsstoff für die Klassen. Merle, Sophia und Dennis hat sie auf jeden Fall gefallen. Im Unterricht nach dem Besuch diskutierten die Schüler noch lange darüber, wie sie eigentlich noch besser miteinander umgehen könnten.