Mit Wissensvorsprung ins Studium

30.08.2022

Kooperation zwischen Berufsbildungszentrum Preetz und Fachhochschule Kiel dient Kampf gegen Fachkräftemangel

Preetz. Nicht nur die Fachhochschule Kiel hat weniger Bewerber als früher. Auch am Standort Preetz des Berufsbildungszentrums Plön ist deutlich zu spüren, dass die technische Ausbildung ins Hintertreffen gerät. Um einen drohenden Fachkräftemangel zu vermeiden, bauen beide Bildungseinrichtungen ihre bereits bestehende Kooperation im Bereich Elektrotechnik nun auch auf den Bereich Maschinenbau aus. Das hat viele Vorteile für die Schülerinnen und Schüler. 

2019 startete die Zusammenarbeit zwischen Berufsbildungszentrum (BBZ) und Fachhochschule (FH), um Schülern den Weg zum Studium zu ebnen. Die BBZ-Schüler aus den technischen Klassen hätten oft einen Wissensvorsprung gegenüber den Studierenden, die mit einem klassischen Hochschulzugang an die Fachhochschule kämen, erklärte der damalige FH-Leiter Udo Beer. Mit der Kooperation konnten sie sich im Fachbereich Informatik oder Elektrotechnik auch einige Module aus der schulischen Ausbildung in den Bereichen Elektrotechnik, regenerative Energien und Betriebswirtschaftslehre anrechnen lassen. 

Nun soll die Kooperation auf den Bereich Maschinenbau ausgeweitet werden. Die BBZ-Schulabgänger können sich auch dort Leistungen anrechnen lassen. Auf die ersten sechs Semester könnten dies bis zu zwei Lehrveranstaltungen sein. „Diese Vereinbarung macht die Studiengänge im Fachbereich Maschinenwesen an der FH für die jungen Menschen deutlich attraktiver“, erklärt Professor Alexander Mattes, verantwortlich für die Betreuung der Studierenden im Bachelor-Studiengang Maschinenbau. Die Studienzeit könnte sich dadurch verkürzen und Fachkräfte dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung stehen. 

Mit der Kooperation will auch das BBZ mehr Jugendliche anlocken. „In den technischen Klassen kämpfen wir mit den Schülerzahlen“, erklärt Lars Stender (Abteilungsleiter Energie und Gebäude). In der Klasse für Energietechnische Assistentinnen und Assistenten säßen 13 Schülerinnen und Schüler. Man könnte aber 28 unterrichten. 

„Das sind genau die, die wir unbedingt brauchen für die Bereiche Windkraft und Solarpanels“, betont Schulleiter Axel Böhm. Doch leider sei der Technikbereich weniger attraktiv. „Mathe und Physik schrecken viele ab“, vermutet er. Natürlich sollte man eine gewisse Affinität zu Naturwissenschaften haben. „Die Erfahrung zeigt aber auch: Wenn das Interesse da ist, kommt der Rest von alleine.“ 

Vorteil sei die Kombination von Praxis und Theorie. „Man kann sofort sehen: Leuchtet die Lampe oder nicht? Und dann nach der Lösung für das Problem suchen.“ Diesen Praxisbezug hebt auch Lars Stender hervor und verweist auf den spannenden Unterricht im Labor. „Mathe ist nicht etwas Theoretisches, sondern hat einen praktischen Sinn.“ 

Die Schülerinnen und Schüler absolvierten zudem mehrere Praktika. „In den Betrieben sind sie sehr begehrt und kommen oft mit einem Ausbildungsplatz-Angebot zurück“, so Böhm. Energietechnische Assistenten seien sehr gefragt. Sie hätten nach der zweijährigen Schulzeit am BBZ einen höheren Schulabschluss und praktische Erfahrung. „Sie sind gereift und haben sich schon im Arbeitsmarkt zurechtgefunden“, so Böhm. Der Mittlere Schulabschluss sei Voraussetzung für das BBZ, um anschließend den Zugang zur FH zu erhalten. 

Und die Schulabgänger sollen für ein Studium motiviert werden. „Wir wissen, dass diejenigen, die über diesen Bildungsweg kommen, erfolgreicher studieren“, berichtet FH-Präsident Professor Björn Christensen. „Sie sind in der Kombination Theorie und Praxis gut vorgebildet.“ Und mit Blick auf die Schülerzahl in der technischen Klasse fügt Professor Jürgen Mallon hinzu: „Wir nehmen gerne alle 13.“


Quelle: Kieler Nachrichten | Ostholsteiner Regionales am 30.08.2022

Kooperationsvertrag

Björn Christensen (links), Präsident der Fachhochschule Kiel, und Axel Böhm, Schulleiter des Berufsbildungszentrums Preetz, unterzeichnen eine Kooperationsvereinbarung, die mehr Schülerinnen und Schüler ins Studium führen soll. Foto: Silke Rönnau